Die meisten Menschen reagieren auf Naturkatastrophen resilient – ein Posterpreis des Deutschen Psychotherapie Kongresses geht an Lea M. Schaubruch vom Leibniz-Institut für Resilienzforschung (LIR)
Vom 08. bis 12. Juni 2026 hat in Berlin der fünfte Deutsche Psychotherapie Kongress unter dem Themenschwerpunkt „Wissenschaft und Praxis im Dialog: Erkenntnisse nutzbar machen, Versorgung nachhaltig verbessern“ stattgefunden. Ein Kongress, der die Förderung des Dialogs zwischen Forschung, Praxis, Ausbildung, Gesundheitspolitik und Öffentlichkeit als Ziel verfolgt.
Auch in diesem Jahr wurden herausragende Poster mit einem Preis ausgezeichnet. Zu den prämierten Arbeiten zählt das Poster von Lea M. Schaubruch (Leibniz-Institut für Resilienzforschung (LIR) Mainz) mit dem Titel „Resilienz nach Naturkatastrophen: Psychische Anpassungsreaktionen und wirksame Schutzfaktoren im Überblick“.
Das Poster rückt zwei Forschungsfragen in den Fokus: Welche Verläufe psychischer Belastung bzw. Gesundheit treten nach Naturkatastrophen am häufigsten auf und wie häufig sind diese? Welche individuellen, sozialen und gesellschaftlichen Faktoren fördern Resilienz nach Naturkatastrophen?
Zur Beantwortung dieser Fragen wurden die Ergebnisse von 26 Studien zu psychischen Anpassungsverläufen sowie 12 Studien zu Resilienzfaktoren in einem systematischen Review mit Metaanalyse zusammengeführt. Die Analysen basieren auf ResiMETA, einer am LIR aufgebauten und fortlaufend aktualisierten Datenbank zu psychischen Anpassungsverläufen und Resilienzfaktoren, an deren Aufbau und Erweiterung neben Lea M. Schaubruch auch Svenja Mrugalla (LIR), Sophie Streit (Technische Universität Braunschweig), Prof. Dr. Sarah K. Schäfer (LIR) und Prof. Dr. Klaus Lieb (LIR) beteiligt sind. Die Ergebnisse zeigen, dass etwa 68% der Menschen resilient auf Naturkatastrophen reagieren. Die Evidenz zu Resilienzfaktoren ist insgesamt uneinheitlich, wobei für soziale Faktoren bislang die meiste Evidenz vorliegt. Menschen, die mehr soziale Unterstützung wahrnehmen, zeigen beispielsweise günstigere Anpassungsreaktionen nach Naturkatastrophen, d. h. es gelingt ihnen wahrscheinlicher ihre mentale Gesundheit aufrechtzuerhalten. Viele Resilienzfaktoren sind im Kontext von Naturkatastrophen bislang jedoch unzureichend erforscht, sodass hier weiterhin erheblicher Forschungsbedarf besteht.
Das LIR gratuliert Lea M. Schaubruch und dem Forschungsteam herzlich zu diesem wohlverdienten Posterpreis des diesjährigen Deutschen Psychotherapie Kongresses.